Der digitale Krieg zwischen den USA, China und deren Smartphone-Giganten Huawei

Nach den Auseinandersetzungen zwischen den USA, China, und dessen chinesischer Firma Huawei holt die USA zu einem massiven Gegenschlag aus: US-Präsident Trump unterzeichnete letzte Woche ein Dekret, welches dem zweitgrößten Smartphone-Hersteller Huawei in erhebliche Schwierigkeiten bringen wird. Erfahren Sie nachfolgend alles Wissenswerte rund um die von Trump verhängten Sanktionen, deren Auswirkungen auf die chinesische Firma Huawei und unsere weltweite Wirtschaft sowie die plötzliche 90-tägige Aufschubfrist, welche nun überraschend vom amerikanischen Wirtschaftsministerium (US Department of Commerce) eingeräumt wurde.

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Wie kam es zum Stopp der Geschäftsbeziehung zwischen den USA und Huawei?

Huawei-Technologie soll künftig von Zugriff auf Dienstleistungen, welche von amerikanischen Firmen angeboten werden, abgeschnitten sein, so wollte es zumindest US-Präsident Trump. Dieser hatte am 15. Mai 2019 den nationalen Notstand für die Telekommunikationsbranche ausgerufen. Amerikanischen Firmen soll es demnach bis auf weiteres untersagt sein, jegliche Telekommunikationstechnologien zu nutzen, welche möglicherweise ein Sicherheitsrisiko für die USA darstellen könnten. Von amerikanischer Seite aus wird befürchtet, dass die Technologie, welche von Huawei zur Verfügung gestellt wird, ein Hintertürchen öffnet, um sensible Daten zu klauen und Internetspionage betreiben zu können. Und ganz unbegründet sind diese Befürchtungen nicht: Das Thema Datenschutz hat in China nicht den gleichen Stellenwert, wie es in westlichen Ländern der Fall ist. Aufgrund dessen wurde Huawei und dessen 68 Tochtergesellschaften auf eine “schwarze Liste” gesetzt. Für Huawei bedeutet das, dass amerikanische Firmen nur noch nach Zustimmung der US-Regierung in geschäftlichen Beziehungen mit Huawei stehen dürfen. Dies ist ein erheblicher Schlag gegen den chinesischen Konzern: Geschäftsbeziehungen mit wichtigen Firmen wie Google oder Broadcom sind somit erstmal auf Eis gelegt. Das bedeutet beispielsweise, dass die Smartphones von Huawei zukünftig nicht nur ohne beliebte Apps wie Google Mail, Google Maps, Google Play Store oder YouTube auskommen müssen, sondern auch deren Android-Betriebssystem auf wackeligen Beinen stehen wird.

Die 90-tägige Aufschubfrist

Am 21. Mai 2019 wurden die strikten Sanktionen jedoch überraschend etwas gelockert und eine 90-tägige Aufschubfrist durch das amerikanische Wirtschaftsministerium eingeräumt. Spekulationen nach geschah dies aufgrund von Besorgnis, dass technische Probleme in lokalen Mobilfunknetzen auftreten könnten. Die 90-tägige Aufschubfrist soll es Huawei ermöglichen, sich mit US-Produkten einzudecken, damit dieser bereits bestehende Netze unterhalten und Software-Updates bereitstellen kann. Derzeitige Besitzer von Huawei-Smartphones sollen somit nicht ohne ein funktionierendes Handy dastehen und ländliche Breitbandnetze sollen weiterhin funktionsfähig sind. Von der Frist profitieren werden jedoch nur jene, welche bereits ein Smartphone von Huawei haben. Für neue Produkte gelten weiterhin die verhängten Einschränkungen.

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Das Android-Betriebssystem für derzeitige Besitzer

Die Smartphones von Huawei sind auf das Android-Betriebssystem ausgelegt. Derzeitige Besitzer eines Huawei-Smartphones dürfen jedoch aufatmen: Der Zugriff auf Apps und Dienste von Google bleibt allen Anschein nach für Geräte, welche bereits auf dem Markt sind, weiterhin bestehen. Dank der 90-tägigen Aufschubfrist können Besitzer eines Huawei-Smartphones für diesen Zeitraum auch noch mit wichtigen Betriebssystem-Updates versorgt werden. Anschließend sollen Sicherheitsupdates ebenso möglich sein, wenn auch mit etwas Verzögerung. Diese Verzögerung wird dadurch zustandekommen, dass Huawei für seine Sicherheitsupdates auf frei verfügbare Software durch das Android Open Source Project (AOSP) zurückgreifen muss. Dies teilte Huawei zumindest in einem Interview mit einem US-Magazin mit. Laut diesem sollten sich Besitzer eines Huawei-Smartphones darauf einstellen, dass diese zwar auch zukünftig weiterhin mit wichtigen Sicherheitsupdates versorgt werden, jegliche Erweiterungen des Betriebssystems jedoch nicht mehr durchgeführt werden können. Das Android-Betriebssystem auf Huawei-Smartphones wird dann über August 2019 hinaus auf dem Stand von August bleiben, in Hinsicht auf Funktionen und Layout.

Neukunden von Huawei-Smartphones trifft es härter

Wer sich derzeit über die Anschaffung eines Huawei-Smartphones Gedanken macht, wird nun sicherlich zweimal überlegen, ob sich der Kauf dessen tatsächlich lohnt. Unsere Gesellschaft hat sich sehr an die Dienste des Internetriesen Google gewöhnt: Sei es Google als Suchmaschine, die persönliche oder gar geschäftliche E-Mail-Adresse über Google Mail, die Wegbeschreibung via Google Maps oder YouTube als Zeitvertreib während der Bahn- oder Busfahrt - Google ist überall und wird weltweit von unzähligen Menschen genutzt. Laut Google nutzten beispielsweise mehr als 1 Milliarden Menschen Google Maps aktiv in 2018. Welche Auswirkungen es haben wird wenn ein Smartphone von solch beliebten Diensten abgeschnitten ist, dürfte sich erahnen lassen. Und während Huawei für seine Sicherheitsupdates auf AOSP zurückgreifen kann, für Dienste, welche Lizenzen benötigen, gibt es leider keine so einfache Lösung, diese zu ersetzen.Ein weiteres Problem wird durch den fehlenden Zugriff auf den Google Play Store entstehen, denn dieser dient als zentrale Möglichkeit, sich Apps anderer Firmen herunterladen zu können und diese entsprechend mit Updates zu versorgen. Geht dies alles nicht, entstehen beachtliche Sicherheitslücken durch veraltete Software.

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Die Zukunft von Huawei

Möglicherweise war sich der Konzern über die Abhängigkeit von Google bewusst, denn bereits Anfang dieses Jahres äußerte sich ein Manager des Unternehmens, dass Huawei daran arbeitete, ein eigenes Betriebssystem auf den Markt zu bringen. Und während dies sicherlich eine Möglichkeit ist, zukünftig Schadensbegrenzung auszuüben, dürfte sich dennoch die Frage stellen, inwieweit Kunden sich damit zufrieden geben werden. Denn auch wenn ein eigenes Betriebssystem einige Probleme lösen wird, Zugriff auf die beliebten Dienste von Google und anderer amerikanischen Firmen wird Huawei dennoch nicht erhalten. Somit wird sich Huawei besonders über einen Verlust von europäischer und amerikanischer Kundschaft den Kopf zerbrechen müssen. Von amerikanischer Seite wurde es Europa ebenfalls nahegelegt, von Huawei Abstand zu nehmen.

Fazit

Das Dekret von US-Präsident Trump wird weitreichende Folgen haben, welche weltweit zu spüren sein werden. Es kann derzeit nur darüber spekuliert werden, wie China auf Trumps Sanktionen reagieren wird - Stillschweigend hinnehmen werden diese es jedoch nicht. Wer über die Anschaffung eines Huawei-Smartphones nachdenkt, sollte sich vielleicht vorerst noch etwas gedulden und beobachten, wie sich die Situation weiterentwickelt.