Winterreifen: Eine rutschfeste Angelegenheit

Die Blätter fallen von den Bäumen, das Thermometer zeigt einstellige Beträge an und aus langen Sommernächten auf der Terrasse werden gemütliche Leseabende vor dem Kamin. Der Herbst ist in vollem Gange und somit steht der Winter kurz vor der Tür - mit ihm das nasskalte Wetter geprägt von Schnee, Eis, Matsch und Regen. Vor allem für den Straßenverkehr hat die dunkle Jahreszeit eine Bedeutung: Reflektoren an Kleidung verbessern die Sichtbarkeit der VerkehrsteilnehmerInnen und der Wechsel auf Winterreifen steht bevor, um im Ernstfall schnell und effizient reagieren zu können.

Reifenprofil

Doch was macht einen guten Winterreifen aus?

Generell sind Autoreifen einer enormen Belastung ausgesetzt. Trotz relativ kleiner Auflagefläche müssen sie jederzeit im Stande sein, bei einer Vollbremsung etwa 1,5 Tonnen schnellstmöglich zum Stehen zu bringen. Bei Winterreifen kommt hinzu, dass sie einen unnötig langen Bremsweg aufgrund glatter Straßen vermeiden müssen. Zwei Merkmale des Reifen sorgen dafür, dass dieses sichergestellt werden kann: Das Profil des Reifens und die Gummizusammensetzung. Letzteres basiert auf dem Einsatz von Silica, eine Mischung aus verschiedenen Kieselsäuren, die den Grip bei nasser Fahrbahn erheblich verbessert und für einen relativ weichen, trotz Kälte elastischen Reifen sorgt.

Das Profil eines Winterreifens ist geprägt von sogenannten Lamellen in den Profilblöcken. Lamellen sind wellenförmige Profilschnitte, die Längs- und Querkanten bilden. Je nach Reifen befinden sich bis zu 2000 Lamellen in einem Reifen. Diese öffnen sich bei der Abrollung des Reifens, um bei voller Belastung gegebenenfalls mit Schnee zu verzahnen, somit Bremsvermögen zu verbessern und Schleudern zu vermeiden.

Wann sollte ein Wechsel durchgeführt werden?

Seit dem Jahr 2010 besteht eine Winterreifenpflicht in Deutschland. Dabei gilt jedoch keine exakte Temperaturgrenze, sondern vielmehr kommt es auf die situativen Wetterbedingungen an. So gilt für ein fahrendes Auto bei Schnee und Eis eine eindeutige Winterreifenpflicht. Ein geparktes Auto bei winterlichen Bedingungen darf jedoch weiterhin mit Sommerreifen ausgestattet sein.

Empfehlung: Als Eselsbrücke eignet sich die Faustregel ,,von O bis O". Das bedeutet, dass von Oktober bis Ostern die Benutzung von Winterreifen empfohlen ist. Wer eine genauere Vorgehensweise bevorzugt, kann sich an die Sieben-Grad-Grenze halten. Bei Temperaturen unter 7 Grad Celsius sind Winterreifen unbedingt zu empfehlen. Benutzt man Winterreifen bei warmen Temperaturen oder im Sommer, kommt es zu einem enormen Verschleiß des Reifens, sowie auch zu Sicherheitseinbußen. Es empfiehlt sich also saisonal, aber der aktuellen Wetterlage entsprechend, Reifen zu wechseln.

Gibt es eine Alternative zum Winterreifen?

Die sogenannten Allwetterreifen, welche Sie an der M+S-Kennzeichnung erkennen können, lassen sich als Alternative betrachten. Während Sommer- und Winterreifen optimal auf die jeweiligen Wetterbedingungen ausgerichtet sind, bilden Allwetterreifen den Durchschnitt der beiden Extreme. Somit sind diese bei milden Temperaturen problemlos einsetzbar, doch sollten nicht als Ideal, sondern als Kompromiss betrachtet werden. Neben der bereits genannten M+S-Kennzeichnung für Allwetterreifen, gibt es seit Beginn des Jahres noch eine zusätzliche zwingende Regelung für Allwetterreifen: So müssen Reifen, welche nach dem 01. Januar 2018 neu hergestellt werden, ebenso mit einem Schneeflockensymbol, auch Alpine-Symbol gennant, versehen sein. Zuvor hergestellte Reifen, die nur über die M+S-Kennzeichnung verfügen, dürfen nur noch bis zum 30. September 2024 verwendet werden. Das zusätzliche Schneeflockensymbol zeichnet solche Reifen aus, die einen Bremstest auf Schnee bestanden haben. Da für die bisherige M+S-Kennzeichnung das Bestehen eines solchen Tests nicht erforderlich war, sollte über ein zeitiges Umrüsten vor Winterbeginn nachgedacht werden.

car in snow

Fazit

Um heil und sicher ans Ziel zu gelangen, empfiehlt es sich, auf neuwertige Allwetterreifen mit Schneeflockensymbol umzurüsten, oder um ganz sicher zu gehen, einen Reifenwechsel bei gegebenen Wetterbedingungen durchzuführen. Auch wenn sich Sommer- und Winterreifen optisch auf den ersten Blick ähneln, unterscheiden sie sich grundlegend in Aufbau, Funktionsweise und Materialien.In diesem Sinne - Gute Fahrt!